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<title>Grundwassertiere</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Grundwassertiere</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Grundwassertiere</b> (auch <i><b>Stygo-</b></i> oder <i><b>Grundwasserfauna</b></i>) nennt man die <a href="Tierart" class="mw-redirect" title="Tierart">Tierarten</a>, die das <a href="Grundwasser" title="Grundwasser">Grundwasser</a> besiedeln und die mehr oder weniger vollkommen an diesen besonderen Lebensraum <a href="Evolution%C3%A4re_Anpassung" title="Evolutionäre Anpassung">adaptiert</a> sind, dazu zählen auch die <i><a href="H%C3%B6hlentier#Höhlenwassertiere" title="Höhlentier">Höhlenwassertiere</a></i>. Die Gesamtheit der Lebensformen im Grundwasser nennt man auch <i><a href="Stygobionta" title="Stygobionta">Stygobionta</a></i>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Grundwasser_als_Lebensraum">Grundwasser als Lebensraum</h2></div>
<p>Als Grundwasser wird von <a href="Hydrogeologie" title="Hydrogeologie">Hydrogeologen</a> das gesamte Wasser behandelt, das unter der Erdoberfläche in Spalten und Hohlräumen von Fest- oder <a href="Lockergestein" class="mw-redirect" title="Lockergestein">Lockergesteinen</a>, in diesem Zusammenhang als <a href="Grundwasserleiter" title="Grundwasserleiter">Grundwasserleiter</a> bezeichnet, zirkuliert. Grundwasser als Lebensraum wird geprägt von den Eigenschaften des Grundwasserleiters, vor allem von dessen Porengröße und Porenvolumen, von den chemischen Eigenschaften des Wassers, zum Beispiel Calciumgehalt und <a href="PH-Wert" title="PH-Wert">pH-Wert</a> und von Einflüssen von der Oberfläche her, zum Beispiel Zufluss versickernden Oberflächen- oder Regenwassers mit darin enthaltenen Nährstoffen. Im lichtlosen Medium des Grundwassers spielt die <a href="Prim%C3%A4rproduktion" title="Primärproduktion">Primärproduktion</a> keine Rolle, alle Grundwasser-Ökosysteme mit ihrer Tierwelt sind daher auf die Zufuhr von Nährstoffen von der Oberfläche her angewiesen.
</p><p>Massiver, unverwitterter Fels besitzt keine Hohlräume, in denen Wasser zirkulieren könnte, er ist ein <a href="Grundwassernichtleiter" title="Grundwassernichtleiter">Grundwassernichtleiter</a> oder Aquiclude. Wie die als <a href="Aquitarde" class="mw-redirect" title="Aquitarde">Aquitarden</a> bezeichneten Gesteinsarten mit extrem geringen Porenvolumen spielen sie als Lebensraum für Grundwassertiere keine Rolle. Unter den eigentlichen <a href="Grundwasserleiter" title="Grundwasserleiter">Grundwasserleitern</a> (nach der Verwendung im englischen Sprachraum als Aquifer bezeichnet) werden mehrere Typen unterschieden, die sich in ihrer Eigenschaft als <a href="Habitat" title="Habitat">Habitate</a> grundlegend unterscheiden:<sup id="cite_ref-Maurice_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Maurice-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul><li>Porengrundwasserleiter sind Locker- oder Festgesteine, in denen Wasser in den Hohlräumen zwischen den Einzelkörnern (je nach Körnung Sand oder Kiese) zirkulieren kann. Die gebildeten Hohlräume sind klein (im Mikrometer- bis Millimeterbereich), nehmen aber einen erheblichen Volumenanteil des Gesteins ein. Sie bilden ein zusammenhängendes Hohlraumsystem aus.</li>
<li>in Spaltengrundwasserleitern zirkuliert Wasser in den Spalten und Sprüngen eines zerscherten oder zerbrochenen Festgesteins.</li>
<li><a href="Karstgrundwasserleiter" title="Karstgrundwasserleiter">Karstgrundwasserleiter</a> sind Spaltengrundwasserleiter in wasserlöslichen Gesteinen, vor allem <a href="Kalkstein" title="Kalkstein">Kalkstein</a> und <a href="Gips" title="Gips">Gipsstein</a>, bei denen das in den Spalten zirkulierende Wasser die Gesteine teilweise auflöst und so die Hohlräume vergrößert. Die entstehenden Hohlräume können gewaltige Dimensionen erreichen und, auch dem Menschen zugängliche, <a href="H%C3%B6hle" title="Höhle">Höhlen</a>, ausbilden. Nur in Karstgrundwasserleitern mit ihren großen Hohlräumen können <a href="Wirbeltiere" title="Wirbeltiere">Wirbeltiere</a> wie Fische oder Amphibien im Grundwasser vorkommen.</li></ul>
<p>Grundwasser als Lebensraum besitzt aufgrund dieser Bedingungen eine Reihe von Besonderheiten:<sup id="cite_ref-Schönborn_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Schönborn-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es ist durch die fehlende <a href="Prim%C3%A4rproduktion" title="Primärproduktion">Primärproduktion</a> arm an Nährstoffen (<a href="Oligotrophie" class="mw-redirect" title="Oligotrophie">oligotroph</a>). Der Gehalt an gelöstem <a href="Sauerstoff" title="Sauerstoff">Sauerstoff</a> ist meist ebenfalls vermindert, da durch die Entfernung von der Oberfläche verbrauchter Sauerstoff nicht aus der Luft <a href="Diffusion" title="Diffusion">nachdiffundieren</a> kann. Die Temperatur ist im Jahresgang sehr gleichmäßig, Unterschiede zwischen den Jahreszeiten sind kaum ausgeprägt. Aufgrund dieser Faktorenkombination, und zusätzlich des meist geringen Porenvolumens mit extrem beengtem Platz zum Leben und dem völligen Fehlen von Licht, besitzt das Grundwasser eine sehr eigenständige Fauna, die kaum gemeinsame <a href="Art_(Biologie)" title="Art (Biologie)">Arten</a> mit derjenigen von Oberflächengewässern aufweist. Diese werden mit dem Fachausdruck Stygobionta, oder auch Stygobite, bezeichnet.
</p><p>Die Grundwasserfauna wird von derjenigen benachbarter, verwandter oder in räumlichem Kontakt stehenden Lebensräume nach dem Vorhandensein dieser spezialisierten Arten unterschieden:<sup id="cite_ref-Schmidt_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-Schmidt-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul><li>Das Lückensystem unterhalb von Oberflächengewässern hat mit dem Grundwasser viele seiner Eigenschaften gemeinsam, unterscheidet sich aber durch den stärkeren Wasseraustausch mit der ständigen Zufuhr von Nährstoffen. Außerdem weist es eine Reihe von Arten auf, die vertikal zwischen oberirdischen und unterirdischen Gewässern wandern. Es wird deshalb, mit einem eigenen Fachausdruck, als <a href="Hyporheisches_Interstitial" title="Hyporheisches Interstitial">hyporheisches Interstitial</a> bezeichnet. Einige <a href="Limnologie" title="Limnologie">Limnologen</a> betrachten es allerdings als einen Sonderfall des Grundwassers und fassen seine Fauna mit derjenigen des „echten“ Grundwassers zusammen.</li>
<li>In Karstgebieten können Oberflächengewässer wie Flüsse in <a href="Ponor" title="Ponor">Ponoren</a> im Untergrund verschwinden und unterirdisch als Höhlenflüsse weiterfließen. Auch deren Fauna gehört nach verbreiteter Auffassung nicht zum „eigentlichen“ Grundwasser.</li>
<li>Das oberflächennahe Porensystem in Böden und Gesteinen kann je nach Niederschlagsmengen wasser- oder auch luftgefüllt sein. In Karstgebieten wird es als <a href="Vados" class="mw-redirect" title="Vados">vadose</a> Zone von der ständig wasserführenden <a href="Phreatische_Zone" title="Phreatische Zone">phreatischen Zone</a> unterschieden, dafür wurde in jüngerer Zeit der Fachbegriff Epikarst eingeführt. Hier leben noch zahlreiche stygobionte Tierarten,<sup id="cite_ref-Culver_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-Culver-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> diese mischen sich aber mit Arten anderer Spezialisierung. Obwohl viele Limnologen und <a href="Hydrogeologie" title="Hydrogeologie">Hydrogeologen</a> diesen Bereich nach der von ihnen verwendeten Definition nicht mit zum eigentlichen Grundwasser zählen, wird er wegen der Ähnlichkeit der Lebensgemeinschaft oft gemeinsam damit betrachtet.</li>
<li>ein besonderes Problem ist die Abgrenzung der Fauna des Karstgrundwassers zur <a href="H%C3%B6hlentier" title="Höhlentier">Höhlenfauna</a>. Diese wird mit einem eigenen Fachbegriff als „Troglobios“, ihre Arten als „troglobiont“ bezeichnet. Eine eigenständige Fauna der Höhlen, die sich von derjenigen nur dezimeter- bis zentimeterbreiter Spaltensysteme im <a href="Carbonate" title="Carbonate">Karbonatgestein</a> (die daher dem Menschen nicht mehr direkt zugänglich ist), ist vor allem bei luftatmenden Artengruppen ausgeprägt.<sup id="cite_ref-Moseley_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-Moseley-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Obwohl einige Wissenschaftler die Karstfauna der größeren Hohlräume von der eigentlichen Grundwasserfauna ausschließen wollen, betrachten die meisten beide als einen zusammengehörigen Lebensraum. Oft werden diejenigen aquatischen Arten troglobiont genannt, die zufällig in Höhlen gefunden werden oder zuerst gefunden wurden.</li>
<li><a href="Quelle" title="Quelle">Quellen</a> als natürliche Grundwasseraustritte an der Oberfläche besitzen eine eigenständige Fauna. Diese wird in der limnologischen Fachliteratur als <a href="Krenal" title="Krenal">Krenal</a> bezeichnet. Obwohl gelegentlich Grundwassertiere hierher ausgespült werden, können viele von ihnen hier nicht auf Dauer leben.</li></ul>
<p>Die untere Grenze der Grundwasserfauna ist kaum erforscht, es liegen aber Zufallsbeobachtungen von Grundwassertieren aus Tiefen von mehreren Hundert Metern vor.<sup id="cite_ref-Fiser_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-Fiser-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die absolute Grenze muss bei etwa 2000 Meter angenommen werden, wenn der <a href="Gebirgsdruck" title="Gebirgsdruck">Gebirgsdruck</a> auch wassergefüllte Hohlräume schließt. Auch in den Zonen darüber ist von extremen Bedingungen auszugehen, unter anderem weil in so großen Tiefen die Wassertemperatur schon stark ansteigt, während das Nährstoffangebot und der Sauerstoffgehalt immer stärker absinken.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anpassungen">Anpassungen</h2></div>
<p>Grundwassertiere sind meist <a href="Pigment" class="mw-redirect" title="Pigment">pigmentlos</a>, durchscheinend oder weiß, und augenlos, da sie im Untergrund ohne Licht leben.<sup id="cite_ref-Schönborn_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Schönborn-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Kommen sie in belichtete Lebensräume, können sie dort durch die <a href="Ultraviolettstrahlung" title="Ultraviolettstrahlung">Ultraviolettstrahlung</a> des Sonnenlichts geschädigt werden.<sup id="cite_ref-Fiser_6-1" class="reference"><a href="#cite_note-Fiser-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Viele sind nicht völlig blind, sie besitzen einen Lichtsinn in der Haut. Bei Belichtung reagieren sie mit <a href="Fluchtverhalten" title="Fluchtverhalten">Fluchtreaktionen</a> (<a href="Photophobie" class="mw-redirect" title="Photophobie">photophob</a>). Der Tastsinn und chemische Sinne sind meist besonders gut ausgebildet. Aufgrund des beengten Porenvolumens, vor allem in Porengrundwasserleitern, sind die meisten sehr klein, meist deutlich kleiner als ihre in Oberflächengewässern lebenden Verwandten. Auch die Länge von Körperanhängen wie <a href="F%C3%BChler_(Biologie)" title="Fühler (Biologie)">Antennen</a> oder Ruderbeinen ist meist reduziert (sie können aber bei Tieren der eigentlichen Höhlenfauna, die in weniger beengten Höhlungen leben, auch verlängert sein). Viele besitzen eine wurmartig gestreckte Körpergestalt, mit der sie durch das enge Hohlraumsystem schwimmen oder gleiten oder sich durch enge Spalten stemmen können.
</p><p>Viele Grundwassertiere können verminderten Sauerstoffgehalt im Wasser tolerieren, allerdings können sie nicht in völlig sauerstofffreiem, <a href="Anoxisch" title="Anoxisch">anoxischem</a> Wasser leben. Viele Arten zeichnen sich durch ständige Atembewegungen aus, um einen Wasserstrom zu erzeugen, der Sauerstoff heranführt. Ansonsten bewegen sie sich weniger und legen meist nur geringe Strecken zurück. Aufgrund der Nährstoffarmut im Grundwasser ist meist die <a href="Stoffwechsel" title="Stoffwechsel">Stoffwechselrate</a> und die Vermehrungsrate geringer als bei Arten der Oberflächengewässer. Häufig sind die Tiere aber langlebiger. Hierbei kommt ihnen die geringere <a href="Pr%C3%A4dator" title="Prädator">Prädation</a> und <a href="Konkurrenz_(%C3%96kologie)" title="Konkurrenz (Ökologie)">Konkurrenz</a> und die extrem gleichförmigen Lebensbedingungen zugute. Zusammengenommen gelten sie als besonders gut angepasst an eigentlich lebensfeindliche, widrige Umweltbedingungen, bei nur geringer Anpassung aufgrund von biotischen Beziehungen, dies wurde als „A-Strategie“ (vom englischen adversity selection) zusammengefasst.<sup id="cite_ref-Schönborn_2-2" class="reference"><a href="#cite_note-Schönborn-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Allerdings reagieren viele Arten dadurch besonders empfindlich auf Wasserverschmutzung und andere nachteilige Einflüsse von der Oberfläche her.
</p><p>Grundwasser ist im Regelfall <a href="S%C3%BC%C3%9Fwasser" title="Süßwasser">Süßwasser</a>. Eine Reihe von typischen Grundwassertieren kann aber auch in versalztem Grundwasser und <a href="Brackwasser" title="Brackwasser">Brackwasser</a> leben. Einige Gruppen kommen sogar im Lückensystem mariner Sedimente, also im Meerwasser, vor. Bei einigen Tiergruppen nimmt man an, dass sie das Grundwasser auf diesem Wege direkt kolonisiert haben, also niemals in limnischen Oberflächengewässern vorgekommen sind. Dazu gehört zum Beispiel der „Urringelwurm“ <i><a href="Troglochaetus_beranecki" title="Troglochaetus beranecki">Troglochaetus beranecki</a></i>.
</p><p>In der Grundwasserfauna sind eine Reihe von Reliktformen auffallend. Dabei handelt es sich um Nachfahren von in früheren Erdzeitaltern in Oberflächengewässern lebenden Gruppen, die dort heute ausgestorben sind und nur im Grundwasser überleben konnten. Dazu gehören viele Krebstiere wie etwa die <a href="Brunnenkrebse" title="Brunnenkrebse">Brunnenkrebse</a> oder die <a href="Thermosbaenacea" title="Thermosbaenacea">Thermosbaenacea</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Biodiversität"><span id="Biodiversit.C3.A4t"></span>Biodiversität</h2></div>
<p>Global wurden für das Bezugsjahr 1986 etwa 7.000 bekannte Arten von Grundwassertieren angegeben.<sup id="cite_ref-Gibert_7-0" class="reference"><a href="#cite_note-Gibert-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In Europa sind es etwa 1.220 (unter Einschluss der aquatischen Höhlenfauna).<sup id="cite_ref-Schönborn_2-3" class="reference"><a href="#cite_note-Schönborn-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Damit liegt ihre Artenzahl niedriger als diejenige der luftatmenden Höhlenfauna mit ihren zahlreichen spezialisierten Insektenarten. Vergleicht man die Grundwasserfauna mit derjenigen der limnischen Oberflächengewässer (<a href="Flie%C3%9Fgew%C3%A4sser" title="Fließgewässer">Fließgewässer</a> und <a href="Stillgew%C3%A4sser" title="Stillgewässer">Stillgewässer</a>), zeigen sich markante Unterschiede. So gibt es beinahe keine spezialisiert im Grundwasser lebenden Insektenarten (selbst global werden nur 24 Arten angegeben), während Krebstiere auffallend gut repräsentiert sind, so dass ihre Artenzahl diejenige der Oberflächengewässer derselben Region sogar übersteigen kann. Etwa 40 Prozent der europäischen Krebstierarten gehören zur Grundwasserfauna. Sechs Ordnungen der Krebstiere, <a href="Mystacocarida" class="mw-redirect" title="Mystacocarida">Mystacocarida</a>, Gelyelloida (zu den <a href="Ruderfu%C3%9Fkrebse" title="Ruderfußkrebse">Ruderfußkrebsen</a> gehörend), Syncarida (mit den <a href="Brunnenkrebse" title="Brunnenkrebse">Brunnenkrebsen</a>), Mictacea, <a href="Thermosbaenacea" title="Thermosbaenacea">Thermosbaenacea</a> (beides <a href="Ranzenkrebse" title="Ranzenkrebse">Ranzenkrebse</a>) und <a href="Remipedia" title="Remipedia">Remipedia</a> sind beinahe ausschließlich stygobiont, wobei Thermosbaenacea und Remipedia allerdings weit überwiegend in salzwasserführenden (sogenannten <a href="Anchialin" title="Anchialin">anchialinen</a>) Gewässern leben. Aus Höhlengewässern werden 92 Fischarten und 14 Amphibienarten angegeben, in Europa jeweils nur eine (<i>Delminichthys adspersus</i> und der <a href="Grottenolm" title="Grottenolm">Grottenolm</a>), die beide nur im <a href="Dinarisches_Gebirge" title="Dinarisches Gebirge">dinarischen</a> Karst der Balkanhalbinsel leben.
</p><p>Das Verteilungsmuster der Arten ist dabei zwischen unterirdischen und oberirdischen Gewässern verschieden. Meist ist das Grund- und Höhlengewässer lokal eher artenarm (geringe <a href="Alpha-Diversit%C3%A4t" title="Alpha-Diversität">Alpha-Diversität</a>) mit oft nur einer Art pro Gattung an jeder untersuchten Lokalität, auch besonders artenreiche Gewässer wie einige dinarische Karstgewässer überschreiten selten etwa 40 Arten. Da aber die meisten Grundwasserarten, zumindest außerhalb der in den letzten Eiszeiten vergletscherten Regionen, lokale <a href="Endemit" title="Endemit">Endemiten</a> mit kleinem Verbreitungsgebiet sind, erreichen sie (aufgrund der höheren <a href="Beta-Diversit%C3%A4t" title="Beta-Diversität">Beta-Diversität</a>) in größeren Regionen dieselbe Artenzahl wie diejenige in den Oberflächengewässern.<sup id="cite_ref-Gibert_7-1" class="reference"><a href="#cite_note-Gibert-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zudem zeigte sich, dass die wenigen weit verbreiteten Grundwassertiere meist Komplexe aus <a href="Kryptospezies" title="Kryptospezies">Kryptospezies</a> darstellen, die sich zwar genetisch, aber nicht morphologisch unterscheiden lassen. Für Spanien wird abgeschätzt, dass keine, oder nur extrem wenige, makroskopische Arten des Grundwassers Verbreitungsgebiete besitzen, deren Durchmesser etwa 200 Kilometer überschreiten würde.<sup id="cite_ref-Trontelj_8-0" class="reference"><a href="#cite_note-Trontelj-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In ihrer Ernährungsweise sind die meisten Grundwassertiere unspezialisiert, echte <a href="Pflanzenfresser" title="Pflanzenfresser">Pflanzenfresser</a> fehlen vollständig, spezialisierte Räuber sind selten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Ausgewählte_Artengruppen"><span id="Ausgew.C3.A4hlte_Artengruppen"></span>Ausgewählte Artengruppen</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Ruderfußkrebse"><span id="Ruderfu.C3.9Fkrebse"></span>Ruderfußkrebse</h4></div>
<p><a href="Ruderfu%C3%9Fkrebse" title="Ruderfußkrebse">Ruderfußkrebse</a>, wissenschaftlicher Name <i>Copepoda</i>, sind die artenreichste Gruppe der Krebstiere. Von den mehr als 2.800 im Süßwasser lebenden Arten (Stand: 2008)<sup id="cite_ref-Boxshall_9-0" class="reference"><a href="#cite_note-Boxshall-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> kommen etwa 1.000 im Grundwasser vor.<sup id="cite_ref-Galassi_10-0" class="reference"><a href="#cite_note-Galassi-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie sind damit im Grundwasser die artenreichste Tiergruppe überhaupt. Da die Copepoden generell kleine Tiere sind, konnten sie das Grundwasser leichter kolonisieren, dennoch ist in vielen Verwandtschaftsgruppen eine weitere Abnahme der Körpergröße ausgeprägt. Zahlreiche Arten weisen einen vereinfachten Körperbau mit zahlreichen morphologischen Rückbildungen (Reduktionen) auf, die oft auf <a href="P%C3%A4domorphose" class="mw-redirect" title="Pädomorphose">Pädomorphose</a> (verkürzte Entwicklung, bei der die geschlechtsreifen Tiere Merkmale der Larvenstadien behalten) zurückgehen. Vorteil für die Tiere könnte bessere Beweglichkeit in den engen Hohlraumsystemen sein. Die meisten Grundwassercopepoden gehören zu den Ordnungen Cyclopoida und <a href="Harpacticoida" title="Harpacticoida">Harpacticoida</a>. Die kleine Ordnung der Gelyelloida, die nur drei Arten umfasst, ist ausschließlich von dort bekannt (sie leben im Karst Südosteuropas und Nordamerikas). Generell sind Karstgrundwasserleiter und Porengrundwasserleiter von Copepoden etwa genauso artenreich besiedelt.<sup id="cite_ref-Galassi_10-1" class="reference"><a href="#cite_note-Galassi-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Höhlenflohkrebse"><span id="H.C3.B6hlenflohkrebse"></span>Höhlenflohkrebse</h4></div>
<p><a href="H%C3%B6hlenflohkrebse" title="Höhlenflohkrebse">Höhlenflohkrebse</a> der Gattung <i>Niphargus</i> gehören zu den im Grundwasser artenreich vertretenen <a href="Flohkrebse" title="Flohkrebse">Flohkrebsen</a> (Ordnung Amphipoda). Unter den mehr als 330 Arten der Gattung<sup id="cite_ref-Esmaeili_11-0" class="reference"><a href="#cite_note-Esmaeili-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> leben allein fast 50 im dinarischen Karst, davon nur 10 gelegentlich auch in Oberflächengewässern. Viele der Arten sind morphologisch außerordentlich ähnlich und sehr schwierig unterscheidbar,<sup id="cite_ref-Fiser2_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-Fiser2-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> einige nur nach genetischen Markern (kryptische Arten). Die Gattung ist in Mittel- und Südeuropa, der Schwarzmeerregion, Anatolien, östlich bis in die Gebirge des Iran, verbreitet. Sie ist im Mittelmeerraum artenreich, nördlich der Alpen artenarm und fehlt in Skandinavien. Dies wird auf den Einfluss der Eiszeiten zurückgeführt. Sie konnte aber z.&nbsp;B. so weit nördlich wie in Irland und Südengland die letzte Eiszeit überdauern, wie sich am Vorkommen zahlreicher <a href="Endemit" title="Endemit">endemischer</a> Arten hier zeigt.<sup id="cite_ref-Mcinerney_13-0" class="reference"><a href="#cite_note-Mcinerney-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Nordgrenze der Verbreitung stimmt fast perfekt mit der Südgrenze der Vereisung in der Weichsel-Eiszeit überein. Im Vergleich zu Gammariden der Oberflächengewässer sind Höhlenflohkrebse schlanker und graziler gebaut und augenlos. Im Gegensatz zu Oberflächenarten können einige untersuchte Arten völliges Fehlen von Sauerstoff (Anoxie) mehrere Tage und sehr geringe Sauerstoffgehalte sogar monatelang überleben.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Grundwasser-_und_Quellschnecken">Grundwasser- und Quellschnecken</h4></div>
<p>Mollusken sind im Grundwasser weit und teilweise artenreich verbreitet. Mit sehr wenigen Ausnahmen, wie der bestandsgefährdeten Muschel <i>Congeria kusceri</i><sup id="cite_ref-Congeria_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-Congeria-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> im dinarischen Karst, handelt es sich um Schneckenarten.<sup id="cite_ref-Culver2_15-0" class="reference"><a href="#cite_note-Culver2-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Fast alle Arten sind sehr klein, mit dünnem, teilweise transparentem Gehäuse und weiß gefärbt. Fast alle Grundwasserschnecken gehören zu den <a href="Wasserdeckelschnecken" title="Wasserdeckelschnecken">Wasserdeckelschnecken</a> und werden dort zur Familie der Hydrobiidae im weiteren Sinne gerechnet (Überfamilie <a href="Rissooidea" class="mw-redirect" title="Rissooidea">Rissooidea</a>).<sup id="cite_ref-Szarowska_16-0" class="reference"><a href="#cite_note-Szarowska-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weltweit wurden 2005 etwa 350 Arten angegeben (Grundwasser und Höhlengewässer hier zusammengefasst), wobei innerhalb der Gruppe in den Jahren seitdem viele Arten, z.&nbsp;T. sogar Gattungen, neu beschrieben worden sind. Obwohl weltweit verbreitet, gelten zwei Regionen der Welt als besonders artenreich, der dinarische Karst in Europa und Südostasien. In jüngerer Zeit wurde nach intensiven Untersuchungen die Iberische Halbinsel als weitere Region mit vergleichbarem Artenreichtum identifiziert.<sup id="cite_ref-Arconada_17-0" class="reference"><a href="#cite_note-Arconada-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zur Ökologie der meisten Arten ist fast nichts bekannt, nicht wenige sind nur nach leeren Schalen, die aus Karstgewässern an die Oberfläche gespült worden waren, beschrieben worden. Innerhalb der, hauptsächlich in Quellen verbreiteten Gattung der <a href="Quellschnecken" title="Quellschnecken">Quellschnecken</a> (<i>Bythinella</i>) konnte gezeigt werden, dass die Arten der Stygofauna durch <a href="Analogie_(Biologie)" title="Analogie (Biologie)">konvergente Evolution</a> in ihren Merkmalen sekundär ähnlicher geworden sind.<sup id="cite_ref-Bichain_18-0" class="reference"><a href="#cite_note-Bichain-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Häufigste Grundwasserschnecken Mitteleuropas sind die Arten der Gattung <i>Bythiospeum</i>. Hier wurden, meist nach Details der Schalenmorphologie, aus Mitteleuropa zahlreiche Arten beschrieben. Nach genetischen Daten scheint die Gattung allerdings tatsächlich deutlich artenärmer. So kommen in Deutschland, anstatt, wie früher vermutet bis zu 25, wohl nur drei Arten vor.<sup id="cite_ref-Richling_19-0" class="reference"><a href="#cite_note-Richling-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Ringelwürmer"><span id="Ringelw.C3.BCrmer"></span>Ringelwürmer</h4></div>
<p>Ausschließlich aus Karst- und Höhlengewässern sind eine Reihe von <a href="Egel" title="Egel">Egel</a>-Arten in Südeuropa bekannt geworden, die zur Familie <a href="Erpobdellidae" class="mw-redirect" title="Erpobdellidae">Erpobdellidae</a> gehören. Hierher gehört auch die 2001 im dinarischen Karst neu entdeckte Art <i>Croatobranchus mestrovi</i> mit sehr ungewöhnlicher Morphologie, unter anderem seitlichen Fortsätzen.<sup id="cite_ref-Sket_20-0" class="reference"><a href="#cite_note-Sket-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Croatobranchus_21-0" class="reference"><a href="#cite_note-Croatobranchus-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Typischer für Grundwasser-Lebensräume sind aber die <a href="Wenigborster" title="Wenigborster">Wenigborster</a> (Oligochaeta). Diese sind in allen untersuchten Grundwasser-Ökosystemen vertreten. Es sind gut 100 spezialisierte stygobionte Arten bisher beschrieben worden, wobei die außereuropäische Fauna noch kaum untersucht worden ist. Auch in dieser Gruppe überwiegen Arten mit sehr kleinem Verbreitungsgebiet (Lokalendemiten), es kommen aber öfters auch weit verbreitete Arten aus Oberflächengewässern im Grundwasser vor. Wenigborster des Grundwassers sind morphologisch nicht von anderen limnischen Arten und von vielen Arten der Bodenfauna unterscheidbar, man kann sagen, dass sie an diesen Lebensraum <a href="Pr%C3%A4adaptation" title="Präadaptation">präadaptiert</a> sind. Die artenreichsten Gattungen, <i>Trichodrilus</i> (Familie <a href="Lumbriculidae" title="Lumbriculidae">Lumbriculidae</a>) und <i>Rhyacodrilus</i> (Familie <a href="Tubificidae" class="mw-redirect" title="Tubificidae">Tubificidae</a>), besitzen auch in Oberflächengewässern zahlreiche Arten. Obwohl angenommen wird, dass Ringelwürmer im Grundwasser vermutlich von hoher ökologischer Bedeutung sind, sind sie in dieser Hinsicht bisher kaum erforscht.<sup id="cite_ref-Creuze_22-0" class="reference"><a href="#cite_note-Creuze-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Höhlenfische"><span id="H.C3.B6hlenfische"></span>Höhlenfische</h4></div>

<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→&nbsp;</span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="H%C3%B6hlentier#Höhlenwassertiere" title="Höhlentier">Höhlentier#Höhlenwassertiere</a></i></div>
<p>Höhlenfische kommen ausschließlich in Höhlen und breiten Spalten in Karstgrundwasserleitern vor und werden daher von zahlreichen Forschern nicht zur eigentlichen Grundwasserfauna gerechnet. Weltweit sind mehr als 80 Arten, Unterarten oder Lokalpopulationen von Höhlenfischen beschrieben worden, die sich auf acht Ordnungen verteilen, und es werden noch laufend neue entdeckt.<sup id="cite_ref-Wilkens_23-0" class="reference"><a href="#cite_note-Wilkens-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So hat im Jahr 2016 die Entdeckung der <a href="Bachschmerlen" title="Bachschmerlen">Schmerlenart</a> <i>Eidinemacheilus proudlovei</i> im Irak einige Aufmerksamkeit erregt<sup id="cite_ref-ZFMK_24-0" class="reference"><a href="#cite_note-ZFMK-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Fast alle Höhlenfische sind Abkömmlinge von in limnischen Oberflächengewässern weit verbreiteten Gattungen und Familien, in einigen Fällen leben sie in direktem Kontakt mit nahe verwandten oberirdischen Populationen. Die meisten dieser verwandten Arten sind an geringe Belichtungsverhältnisse präadaptiert, zum Beispiel nachtaktiv. Auch für Höhlenfische ist eine, je nach Art unterschiedlich weit vorangeschrittene, Rückbildung der Augen und eine weiße (manchmal rosa oder gelbliche) Färbung charakteristisch, die durch geringeren Gehalt des Pigments <a href="Melanin" class="mw-redirect" title="Melanin">Melanin</a> in der Haut verursacht wird. Sie ist erblich, bei einigen Arten ist aber bei künstlicher Belichtung ein Nachdunkeln feststellbar. Zum Ausgleich für den Verlust des optischen Sinns sind oft andere Sinne verbessert. So besitzt der in <a href="Yucat%C3%A1n_(Halbinsel)" title="Yucatán (Halbinsel)">Yucatán</a> lebende <i>Typhliasina pearsei</i> (Familie <a href="Dinematichthyidae" title="Dinematichthyidae">Dinematichthyidae</a>) ein durch ein Hohlraumsystem im Kopfbereich stark verbessertes <a href="Seitenlinienorgan" title="Seitenlinienorgan">Seitenlinienorgan</a>, das als Ferntastsinn wirkt.<sup id="cite_ref-Wilkens_23-1" class="reference"><a href="#cite_note-Wilkens-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bei anderen wie den amerikanischen Amblyopsidae (<a href="Blindfische" title="Blindfische">Blindfische</a>) ist dieses dagegen eher schwach ausgeprägt, sie besitzen dafür verbesserte chemische Sinne. Viele Höhlenfische besitzen einen verbreiterten Kopf. Der Grund ist umstritten, möglicherweise erleichtert er die sensorische Orientierung.
</p><p>Genauere genetische Untersuchungen, die vor allem bei nord- und zentralamerikanischen Arten durchgeführt worden sind, haben ergeben, dass auch bei den Höhlenfischen die scheinbar verbreiteteren Arten in Wirklichkeit komplexe lokalendemische kryptische Arten oder Lokalpopulationen darstellen. Dies gilt etwa für die im mexikanischen <a href="Cueva_de_Villa_Luz" title="Cueva de Villa Luz">Cueva de Villa Luz</a> lebenden Höhlenpopulation der <a href="Atlantikk%C3%A4rpfling" title="Atlantikkärpfling">Atlantikkärpflinge</a><sup id="cite_ref-Plath_25-0" class="reference"><a href="#cite_note-Plath-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder den häufigsten Höhlenfisch Nordamerikas, <i>Typhlichthys subterraneus</i><sup id="cite_ref-Niemiller_26-0" class="reference"><a href="#cite_note-Niemiller-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Normalerweise kommt in jedem Höhlensystem nur eine Höhlenfischart vor, als große Ausnahme manchmal zwei<sup id="cite_ref-Moseley_5-1" class="reference"><a href="#cite_note-Moseley-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Die einzigen echten Höhlenfische Europas existieren im Höhlensystem des <a href="Aachtopf" title="Aachtopf">Aachtopfes</a>. Sie gehören zu den <a href="Bachschmerle" title="Bachschmerle">Bachschmerlen</a>, ihre Entdeckung wurde im April 2017 bekannt gegeben.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im dinarischen Karst gibt es eine Reihe von Arten, die zeitweise an der Oberfläche leben, aber bei sinkendem Wasserstand diesem in die unterirdischen Karsthohlräume folgen. Am besten an unterirdische Verhältnisse angepasst ist die Karpfenfischart <i>Delminichthys adspersus</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Grundwasserfauna_Deutschlands">Grundwasserfauna Deutschlands</h2></div>
<p>In Deutschland wurden bisher fast 500 Tierarten zumindest gelegentlich im Grundwasser gefunden, davon sind 178 spezialisierte, also stygobionte Tierarten<sup id="cite_ref-Schminke_29-0" class="reference"><a href="#cite_note-Schminke-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Die deutsche Fauna zeigt dabei ein deutliches Artengefälle mit Abfall der Artenzahl von Süden nach Norden, das sich auch in den benachbarten Ländern fortsetzt. An fast allen untersuchten Stellen sind die Krebstiere sowohl die individuen- wie auch die artenreichste Gruppe. Allerdings sind einige Gruppen wie die Fadenwürmer (Nematoda) und die Wassermilben nur von wenigen Spezialisten weltweit bestimmbar und daher kaum erforscht. Zur verbreiteteren stygobionten Fauna Deutschlands gehören, neben den Brunnenkrebsen und Höhlenflohkrebsen, auch die Höhlenasseln der Gattung <i>Proasellus</i> und die Schnecken der Gattung <i>Bythiospeum</i>. Die meisten der im Mittelmeerraum artenreich vertretenen Gruppen fehlen aber in Deutschland, wie auch in ganz Mittel- und Nordeuropa.
</p><p>Bei mehrjährigen Untersuchungen zahlreicher Grundwassermessstellen des Bundeslandes Baden-Württemberg<sup id="cite_ref-baden_30-0" class="reference"><a href="#cite_note-baden-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-lubw_31-0" class="reference"><a href="#cite_note-lubw-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-Fuchs_32-0" class="reference"><a href="#cite_note-Fuchs-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wurden insgesamt etwas mehr als 100 Arten gefunden. Dabei war die lokale Artendichte pro Messstelle allerdings gering mit durchschnittlich kaum mehr als zwei Arten pro Probe. Mehr als die Hälfte der Arten wurden nur in jeweils einem Prozent der Probenstellen, oder weniger, angetroffen. Mehr als ein Fünftel der Messstellen wiesen überhaupt keine Fauna auf. Allerdings war eine im Karst liegende Probenstelle in über 200 Meter Tiefe noch artenreich besiedelt. Bei den etwa 20 Arten mit regionalem Verbreitungsschwerpunkt zeigte sich ein auffallender Schwerpunkt jeweils in den Einzugsgebieten der großen Flüsse Rhein, Donau und Neckar. Dabei ergab sich eine Besonderheit: Die Fauna im Gebiet des <a href="Hochrhein" title="Hochrhein">Hochrheins</a> ähnelte eher derjenigen des Donaugebiets. Dies liegt vermutlich daran, dass diese Region noch im Pliozän zum Donaugebiet gehörte (vgl. Artikel <a href="Urdonau" title="Urdonau">Urdonau</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Trinkwassernetze">Trinkwassernetze</h2></div>
<p>Grundwassertiere können auch vom Grundwasser, das zur Verwendung als <a href="Trinkwasser" title="Trinkwasser">Trinkwasser</a> gefördert wird, in Trinkwassernetze übergehen, wo sie vor allem aus ästhetischen Gründen unerwünscht sind. Insbesondere technische Anlagen wie <a href="Sandfilter" title="Sandfilter">Sandfilter</a> in Trinkwasseraufbereitungsanlagen können dicht besiedelt sein<sup id="cite_ref-Schönthal_33-0" class="reference"><a href="#cite_note-Schönthal-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, wobei die Tiere hier durch den Abbau partikulärer organischer Substanz den Porenraum frei halten und damit eher nützlich sind. Während echte Grundwasserarten dabei in der Regel harmlos sind<sup id="cite_ref-Hahn_34-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hahn-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, können Arten mit Verbreitungsschwerpunkt in Oberflächengewässern durchaus zum Problem werden. So sind etwa stygobionte <a href="H%C3%B6hlenassel" title="Höhlenassel">Höhlenasseln</a> der Gattung <i>Proasellus</i> wie <i>Proasellus slavus</i> normalerweise kein besonderes Problem. Kommt hingegen die <a href="Wasserassel" title="Wasserassel">Wasserassel</a> (<i>Asellus aquaticus</i>) in Leitungsnetzen vor, kann sie echte Massenvorkommen ausbilden. Die Art kann sich durch Abweiden des <a href="Biofilm" title="Biofilm">Biofilms</a> in Rohrleitungen hier auch vermehren und dadurch unbegrenzt halten.<sup id="cite_ref-Hahn2_35-0" class="reference"><a href="#cite_note-Hahn2-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
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</li>
<li id="cite_note-Schönborn-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Schönborn_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schönborn_2-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schönborn_2-2">c</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Schönborn_2-3">d</a></sup></span> <span class="reference-text">Wilfried Schönborn, Ute Risse-Buhl: <i>Lehrbuch der Limnologie.</i> 2. Auflage. Schweizerbarth Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-510-65275-4.</span>
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<li id="cite_note-Culver-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Culver_4-0">↑</a></span> <span class="reference-text">David C. Culver, Tanja Pipan: <i>Superficial subterranean habitats – gateway to the subterranean realm?</i> In: <i>Cave and Karst Science.</i> 35 (1&amp;2), 2008, S. 5–12.</span>
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<li id="cite_note-Moseley-5"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Moseley_5-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Moseley_5-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Max Moseley: <i>Size matters: scalar phenomena and a proposal for an ecological definition of ‘cave’.</i> In: <i>Cave and Karst Science.</i> 35 (3), 2008, S. 89–94.</span>
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</li>
<li id="cite_note-Gibert-7"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Gibert_7-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Gibert_7-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Janine Gibert, Louis Deharveng: <i>Subterranean Ecosystems: A Truncated Functional Biodiversity.</i> In: <i>BioScience.</i> 52(6), 2002, S. 473–481. <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.1641/0006-3568%282002%29052%5B0473%3ASEATFB%5D2.0.CO%3B2">10.1641/0006-3568(2002)052[0473:SEATFB]2.0.CO;2</a></span></span>
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<li id="cite_note-ZFMK-24"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-ZFMK_24-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.zfmk.de/de/forschung/publikationen/spektakulaerer-neufund-eidinemacheilus-proudlovei-a-new-subterranean-loach"><i>Spektakulärer Neufund: Eidinemacheilus proudlovei.</i> Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere. Publikationsverzeichnis 2016</a></span>
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<li id="cite_note-Plath-25"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Plath_25-0">↑</a></span> <span class="reference-text">Martin Plath &amp; Michael Tobler: <i>Subterranean Fishes of Mexico (Poecilia mexicana, Poeciliidae)</i>. Chapter 8 in: E. Trajano, M.E. Bichuette, B. G. Kapoor (editors): <i>The biology of subterranean fishes.</i> Science Publishers, Enfield, NH, USA: 283-332.</span>
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<li id="cite_note-28"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-28">↑</a></span> <span class="reference-text">Christoph Seidler: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/aachhoehle-erstmals-hoehlenfisch-in-europa-gefunden-a-1141659.html">Erstmals Höhlenfisch in Europa gefunden.</a></i> Spiegel Online, 3. April 2017, abgerufen am gleichen Tage.</span>
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<li id="cite_note-Schminke-29"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Schminke_29-0">↑</a></span> <span class="reference-text">Horst Kurt Schminke und Gunnar Gad (Herausgeber): <i>Grundwasserfauna Deutschlands – Ein Bestimmungswerk.</i> Herausgegeben von der DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.&nbsp;V., Hennef 2007. ISBN 978-3-939057-44-4</span>
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<li id="cite_note-baden-30"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-baden_30-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20161019215323/http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/26659/"><i>Grundwassertiere – weltweit einmalige Untersuchungen zur Grundwasserfauna erfolgreich abgeschlossen.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 19. Oktober 2016 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</span>
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<li id="cite_note-lubw-31"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-lubw_31-0">↑</a></span> <span class="reference-text">LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Hrsg.), Andreas Fuchs, Hans Jürgen Hahn, Klaus-Peter Barufke: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/23461/?highlight=grundwassertiere"><i>Grundwasser-Überwachungsprogramm. Erhebung und Beschreibung der Grundwasserfauna in Baden-Württemberg – Kurzbericht.</i></a> PDF-Datei</span>
</li>
<li id="cite_note-Fuchs-32"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Fuchs_32-0">↑</a></span> <span class="reference-text">Andreas Fuchs: <i>Erhebung und Beschreibung der Grundwasserfauna in Baden-Württemberg.</i> Dissertation, Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, Abteilung Biologie, 2007. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://kola.opus.hbz-nrw.de/files/175/Dissertation_Fuchs_2007.pdf">PDF</a></span>
</li>
<li id="cite_note-Schönthal-33"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Schönthal_33-0">↑</a></span> <span class="reference-text">Michael Schönthal, Jörg Bork, Hans Jürgen Hahn, Matthias Maier und Karl Roth: <i>Grundwassermetazoen in natürlichen und künstlichen Biotopen.</i> In: <i>Forum Geoökologie 21 (3)</i>, 2010: 24-29.</span>
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